Avigdor Ben-Trojan (l.)
Schalom Ben-Chorin (r.)
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Schalom Ben-Chorin

Am 20. Juli 1913 - als Fritz Rosenthal - in München geboren. Er stammte aus einer alteingesessenen bayerisch jüdischen Familie, schloss sich jedoch schon frühzeitig der zionistischen Jugendbewegung an. In München studierte er Germanistik, Philosophie, Vergleichende Religionswissenschaft und Judaistik.

Als die Zeichen der Nazidiktatur immer deutlicher wurden - man verhaftete ihn dreimal - wanderte er 1935 nach dem damaligen Palästina aus. Er gab sich den beziehungsreichen Namen Schalom Ben Chorin, d.h. Friede, Sohn der Freiheit.

Als freier Schriftsteller, Journalist und Dozent liess er sich bis zu seinem Lebensende in seinem geliebten Jerusalem nieder. Neben Max Brod, Else Lasker-Schüler und Arnold Zweig wurde ihm vor allem Martin Buber zum Freund und Lehrer, der ihm geistige Anregung bot. Er lernte theologisches Denken in der Tradition des deutschen Judentums. Mit dem Pfarrer der schottischen Kirche in Tiberias, Rev. George L. B. Sloan (ein Schüler Karl Barths) begann er sich 1941 der Aufgabe des jüdisch-christlichen Dialogs zu widmen. 1958 gründete er die erste Reformgemeinde in Jerusalem, um nach amerikanischem Vorbild den Zionismus und das liberalisierte Judentum miteinander zu verbinden. Er verfasste unzählige Werke über Judentum und Christentum. Darüber hinaus war er Lehrbeauftragter an verschiedenen theologischen Fakultäten.

Er wurde global anerkannt und vielfach gewürdigt. U.a. mit der „Buber-Rosenzweig-Medaille" des Deutschen Koordinierungsrat" der Gesellschaften für christlich jüdische Zusammenarbeit, dem „Leo-Baeck-Preis des Zentralrates der Juden in Deutschland, dem „Bundesverdienstkreuz" der Bundesrepublik Deutschland und dem „Leopold-Lucas-Preis" der Universität Tübingen. Die baden-württembergische Landesregierung verlieh ihm den Titel Professor h.c., und zu seinem. 75. Geburtstag erhielt er von der Ev.-Theol. Fakultät der Universität München die Ehrendoktorwürde. Schalom Ben Chorin gehörte zu den Gründungsmitgliedern des dtsch. Schriftstellerverbandes in Israel. Er verstarb in der Nacht vom 6. zum 7. Mai 1999 in Jerusalem.

"... auf den Grabstein ließ ich die Worte "... denn du bist bei mir" Ps. 23,4 einmeißeln. Da wir durch das menschliche Du zum göttlichen Du (nach Buber) kommen, so ist dieses Wort für mich zweidimensional. Die letzten Worte, die mein Mann sprach, waren „Laila-tov - Gute Nacht". Dann sank er in den tiefen Schlaf, der ihn ins himmlische Jerusalem entführte. Er sprach ja immer von diesem Adressenwechsel..."
Avital Ben-Chorin an Tilly Boesche-Zacharow, Mai 1999

Mit herzlichen Grüssen
aus Jerusalem Ihr

http://www.hagalil.com/Schalom Ben Chorin

 

Das Zeichen

März 1942

"Freunde, dass der Mandelzweig
Wieder blüht und treibt
Ist das nicht ein Fingerzeig
Dass die Liebe bleibt.

Dass das Leben nicht verging
So viel Blut auch schreit
Achtet dieses nicht gering
In der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg
Eine Welt vergeht
Doch des Lebens Blütensieg
Leicht im Winde weht

Freunde, dass der Mandelzweig
Sich in Blüten wiegt
Das bleibt mir ein Fingerzeig
Für des Lebens Sieg."

Aus der Vielfalt der Werke, die der Religionsphilosoph Ben-Chorin publizierte, auch nur annähernd so viele seiner Arbeiten anzuführen, dass die gesamte Spannbreite dieses grossen weisen alten Mannes erfasst werden kann, müsste den Rahmen dieser Allgemein-Dokumentation absolut sprengen Es daher kann nur eine Auswahl als Querschnitt durch sein Schaffen hier Aufnahme finden.

Werke:

Der Engel mit der Fahne
Das weiße Licht
Ich lebe in Jerusalem
Vom Kirchenvater Abraham
Germanica Hebraica
Jüdischer Glaube
Jugend an der Isar
Die Tafeln des Bundes
Weil wir Brüder sind
Betendes Judentum
Zwiesprache Mit Martin Buber
Bruder Jesus
Der Mann, der Friede heißt
Mutter Mirjam
Paulus
Die Tränen des Hiob
Abraham
Die Erwählung Israels
Jüdische Ethik u. a.

Der Journalist Tobias Raschke machte das letzte Interview mit Schalom Ben-Chorin.
Auf die Frage: „Wie soll der jüdisch-christliche Dialog im neuen Jahrtausend weitergehen?" antwortete der 85 jährige Religionsphilosoph: „Meine Hoffnung ist, dass sich die Religionen näher kommen, indem sie ihre Wurzeln erkennen. Judentum und Christentum haben denselben Ursprung und haben dies noch nicht erkannt. Jetzt kommt man sich langsam näher. In der Hauptstadt der Religionen, Jerusalem - so hoffe ich - könnte ein Zentrum des jüdischchristlichen Dialogs entstehen."

http://www.hagalil.com/interview




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